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Samstag, 4. Februar 2012    21:19:29

Im Jahre 1983 wurde in der Stadt Kemnath nach über zweihundertjähriger Unterbrechung die bis zum Anfang des achtzehnten Jahrhunderts zurückzuverfolgende Tradition der Passionsspiele wiederbelebt. Seither wird das "Spiel von der Gefangennahme, Verurteilung und Kreuzigung Jesu" alle fünf Jahre in der Karwoche aufgeführt - das nächste Mal im Jahr 2013.

Grundlage für das Spiel ist die "Passion Comedi", wie sie - in einer Fassung aus dem Jahre 1731 - im Bischöflichen Zentralarchiv in Regensburg vorliegt. Das Passionsspiel, das wahrscheinlich von einem Mönch des früheren Kemnather Franziskanerklosters verfasst wurde, bildete einst alljährlich den Mittelpunkt der Karwoche in Kemnath. Vor dem Hause des Landrichters am oberen Teil des Marktplatzes wurde die Szenerie des Ölbergs (als des zentralen Ortes des Geschehens) aufgebaut und die Leidensgeschichte Jesu in barocker Fülle nachgespielt.

Das "Aus" für die Darbietungen kam, als die Obrigkeit Anstoß an dem nicht so recht in die Karwoche passenden volksfestartigen Treiben nahm, das sich rund um das Passionsspiel entfaltete. Ein Erlass der kurfürstlich baierischen Regierung aus dem Jahre 1770 versetzte der "Kemnather Passion" den Todesstoß - bis zur "Wiederbelebung" anlässlich der 975-Jahr-Feiern der Stadt Kemnath im Jahre 1983. Zu diesem Zweck wurde die Vorlage von 1731 behutsam modernisiert.

Rückblick auf die "Kemnather Passion" 2008

Bei der "Kemnather Passion" 2008 im Jubiläumsjahr der Stadt wirkten 140 Darsteller, zirka 100 Sänger, 14 Instrumentalisten und zehn Helfer hinter den Kulissen mit, um die Spiele gekonnt auf die Bühne zu bringen. Die Spielleitung hatte wieder Herr Albert Schneider inne, für die musikalische Gestaltung war Herr Josef Zaglmann zuständig.

Premiere hatte der Passionschor, der von einem Streichorchester begleitet wurde. 

Als Ehrengast durfte die Stadt Kemnath Bischof Dr. Gerhard Ludwig Müller bei den Spielen begrüßen.
Der Regensburger Bischof stellte klar, dass Passionsspiele nicht nur eine schöne Tradition seien, sondern etwas viel Tieferes dahinter stecke. Dadurch würden nämlich alle Gläubigen in die Verkündigung einbezogen, die Mitspieler würden zu "Zeugen des Glaubens", die mit ganzem Herzen dabei sind. Mit der Passion würde ein "ganz besonderes Schatzkästlein" geöffnet, um den Glauben zu verkünden. In einem Passionsspiel, so der Bischof, würde alles das zum Vorschein kommen, was das menschliche Leben ausmache - das Böse genauso wie das Gute.

 

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