„Wer zu mir kommt und Arbeit sucht, muss wissen, was er kann und was er machen will“, betont Heindl. Dabei verschweigt sie nicht die besonderen Herausforderungen für Geflüchtete, die nicht nur 100, sondern 150 Prozent Leistung bringen müssen, weil sie zusätzlich zu den Ausbildungsinhalten auch die Sprache lernen müssen.
Viele Geflüchtete hätten Hemmschwellen und trauten sich nicht, selbst bei Unternehmen nachzufragen. Hier schlägt Heindl die Brücke zwischen Bewerbern und Betrieben. Von ihrem Engagement profitieren beide Seiten. Während junge Menschen eine Perspektive erhalten, finden Unternehmen dringend benötigte Nachwuchskräfte.
Kemnather Vorzeigemodell
Unterstützung erhält sie dabei auch von der Kolping-Berufshilfe und dem Fachkräftezentrum Nordoberpfalz. Dessen Mitarbeiter David Runschke lobt das Kemnather Model ausdrücklich. „Was Kemnath auf die Beine stellt, ist außergewöhnlich. Es ist goldwert, dass wir diese Anlaufstelle mit der Bunten Kiste haben.“ Der Bedarf sei groß. „In der Nordoberpfalz gehen jedes Jahr rund 1000 Menschen mehr in Rente, als die Schulen verlassen“, erklärt Runschke. „Es gibt Firmen, die seit zehn Jahren keinen Auszubildenden mehr gefunden haben.“
Dass Heindls Vermittlungen erfolgreich sind, bestätigen Arbeitgeber aus Kemnath und Umgebung. Dr. Peter Deinlein, bei dem ab September Azita Khezerhaji ihre Ausbildung zur Medizinischen Fachangestellten beginnen wird, lobt die Zusammenarbeit: „Auf Anita Heindl kann man sich verlassen, weil sie die Leute kennt und auch ihre ehrliche Meinung sagt.“ Eine Herausforderung sei allerdings die Erteilung der Arbeitserlaubnis. Für ihn zählen vor allem Motivation und Persönlichkeit. „Wichtig sind das Interesse am Beruf und die Lust, mit Menschen umzugehen. Den Rest lernt man.“
Auch Zahnärztin Frieda Zeitler aus Kastl hat gute Erfahrungen gemacht. Seit Mitte Dezember bildet sie Rozin Allo zur Zahnmedizinischen Fachangestellten aus. „Wenn man sich auf Anita nicht verlassen könnte, hätte ich das nicht riskiert“, sagt Zeitler. „Ich habe es noch keinen einzigen Tag bereut.“ Anfangs habe sie durchaus Bedenken gehabt, weil sie ihre Auszubildende aus einer anderen Praxis übernommen habe. Heute fällt ihr Fazit eindeutig aus: „Sie hat großes Geschick und schon viele Kenntnisse mitgebracht. Nur beim Oberpfälzer Dialekt muss ich mich ein bisschen zusammenreißen“, sagt sie schmunzelnd.
Bürokratie als Herausforderung
Heindls Engagement endet nicht mit der Vermittlung. Wenn Schwierigkeiten auftreten, bleibt sie Ansprechpartnerin und kümmert sich um Lösungen. „Wichtig ist, dass alle rechtlichen Vorgaben eingehalten werden, damit niemand in eine illegale Beschäftigung gerät“, betont sie.
Von ihrer Arbeit profitieren zahlreiche junge Menschen. So wollte der Syrer Arbash Anas unbedingt bei Heizungsbauermeister Johannes Kleinhempl arbeiten. Nach einem Praktikum wurde der 26-Jährige im April als Helfer eingestellt, zum 1. September beginnt seine Ausbildung. Zu den Erfolgsgeschichten zählt auch Ibrahim Laili, der sich vor zwei Jahren selbst bei Kleinhempl beworben hatte. „Ich bin seit acht Jahren in Deutschland und habe keine Probleme mit der Sprache“, erzählt er. „Man lernt trotzdem jeden Tag etwas Neues dazu.“ Johannes Kleinhempl ist von seinen Mitarbeitern überzeugt: „Ibrahim war schon ein Glücksgriff, und auch mit Arbash haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht.“ Anita Heindl nehme ihm dabei viel Bürokratie ab.
Auch der 17-jährige Ukrainer Danylo Cheresh hat in Kemnath eine Perspektive gefunden. Er arbeitet im Metallbaubetrieb von Christian Baumann.
Für Bürgermeister Roman Schäffler ist Anita Heindls Einsatz von unschätzbarem Wert. „Wenn du nicht wärst, würden wir uns viel schwerer tun“, sagt er. „Du machst das mit unglaublich viel Engagement und Herzblut.“
Heindl selbst freut sich über die Unterstützung aus dem Rathaus. „Ich bin stolz auf unseren Bürgermeister, dass er mich einfach machen lässt“, sagt sie.
Neben ihrer Integrationsarbeit engagiert sich die 64-Jährige in weiteren Projekten. So leitet sie einen Kinderchor mit derzeit zwölf Kindern verschiedener Nationalitäten. Die jungen Sängerinnen und Sänger treten unter anderem in Seniorenheimen und beim Volkstrauertag auf. Außerdem organisiert Heindl Möbeltransporte und kümmert sich weiterhin um die vielfältigen Aufgaben rund um die „Bunte Kiste“.

